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Interview mit Abteilungsleiter Benedikt Bartoldus

Andreas: Hallo Benedikt. Im Rahmen des 100-jährigen-Jubiläums in 2026 wollen wir einen Blick auf die aktuelle Lage des SC Borchen werfen und hinter die Kulissen schauen. Heute geht es dafür in die mitgliederstärkste Abteilung, zu den Leichtathleten. 

Gefühlt, ist fast immer zuerst der Fußball in aller Munde, aber die Leichtathleten bilden die größte Abteilung im SC Borchen. Stellt das eine besondere Herausforderung für euch dar?

Benedikt: Gefühlt mag das durchaus sein, aber wir Leichtathleten brauchen uns nicht verstecken. Über Social Media und vor allem unsere Laufevents sind wir doch sehr präsent und stellen uns gut dar – das übrigens nicht nur auf Gemeindeebene, sondern auch kreisweit. Die Herausforderung, die uns von den Ballsportarten etwas absondert, ist unsere Vielfältigkeit. Wir sind nun mal nicht einem Ligabetrieb zugeordnet und fahren nicht jedes Wochenende über die Dörfer. Für uns heißt es abwägen, an welchen Veranstaltungen wir teilnehmen, bzw. wo wir unsere Athleten hinschicken können. Das spielt sich in der Regel in einem Radius von 40 km ab, aber Events, wie Landes- oder Deutsche Meisterschaften, sind nicht gerade um die Ecke – da heißt es immer auch schauen, was finanziell machbar ist. Als Beispiel ziehe ich gern unsere Rope Skipper heran, die ja ziemlich erfolgreich unterwegs sind und 2024, unter anderem an der Europameisterschaft in Ungarn teilnehmen durften. Was eine Möglichkeit für junge Sportler und was für ein Aushängeschild für den SC Borchen! Aber dann kommt die Frage der Finanzierung. Selbstverständlich gibt es da vom Verein einen Zuschuss, aber die ganze Reise konnten wir natürlich nicht bezahlen – es steckt also auch viel Eigeninitiative hinter dem Ganzen. Auch war ich verwundert, dass ein Rope Skipper, wenn er für Deutschland antritt, seine Wettkampfkleidung selbst kaufen muss. Daran sieht man, dass aktuelle Randsportarten noch einen weiten Weg vor sich haben. 

Andreas: Mit Unterabteilungen wie dem Lauftreff, dem Triathlon, dem Rope Skipping, dem Kindersport und neuerdings auch Steeldarts bieten die Leichtathleten die vielseitigsten Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen. Gibt es noch weitere Pläne sich zu erweitern oder ist hier jetzt ein Limit erreicht?

Benedikt: Ganz ehrlich, ist das Limit schon länger erreicht. Eine Abteilung unserer Größe ist anderenorts schon ein eigenständiger Verein und wird hauptamtlich geführt. Für unsere beiden Dörfer ist dieser Zustand ein Luxus, aber davon leben wir schließlich auch. Als Selbstverwalter, im Ehrenamt, tragen wir eine große Verantwortung, gerade auch was die Bewegungen des Geldes angeht. Aktuell liegt unser Vorteil darin, dass wir aus den Untergruppierungen auch fast immer jemanden im Vorstand dabeihaben und die anfallenden Aufgaben breit gestreut werden können – das Miteinander funktioniert ziemlich gut. Hauptansprechpartner und das für alle Leichtathleten, bleibe aber ich und so kommt natürlich immer mal wieder einiges an Arbeit auf einen zu. 

Dennoch und das haben wir nun beim Steeldarst gesehen, wollen wir natürlich niemanden ablehnen. Neue Sportangebote sind essentiell wichtig für unsere Vereinskultur und -entwicklung und können, abteilungsmäßig, uns am ehesten zugeordnet werden. Ich befürworte aber eigentlich noch eine achte Abteilung für den SC Borchen, die den Breitensport auffängt und von unseren Schultern etwas Last nimmt. 

Andreas: Seit Jahren der Krösus in Sachen Sportabzeichen im Kreisgebiet, dazu Ausrichter des Altenau- & des 5-Orte-Laufs. Wie stolz ist man da eigentlich, wenn das Jahr für Jahr so fluppt?

Benedikt: Das macht einen schon megastolz. Dazu muss man aber auch sagen, dass die Mitglieder des SC Borchen offiziell nur etwa ein Viertel der Ergebnisse liefern. Im letzten Jahr wurde der Großteil der Sportabzeichen durch die Schülerinnen und Schüler unserer Bildungseinrichtungen erbracht, die aber auch mehrheitlich dem Verein angehören. Das alles, auch die Ausrichtung unserer Laufevents, ist natürlich nur möglich, wenn man ein perfekt eingespieltes Team um sich herum hat und das läuft seit Jahren einwandfrei. Selbst nach dem Tod von Christoph Rothmann, der ja der Antreiber war, wenn es ums Sportabzeichen ging, als uns ein großer Umbruch bevorstand, haben wir gemeinsam die Lücke füllen können und es sei hier gern Ilona Waltemate erwähnt, die sehr großen Einsatz zeigt.

Andreas: Wolfgang Wahle oder, du sprachst ihn gerade selbst schon an, Christoph Rothmann, um nur zwei Personen zu nennen, waren sicherlich starke Förderer, die den Breitensport in Borchen nach vorn gebracht haben. Als Lehrer waren die beiden aber auch immer nah dran an Nachwuchstalenten und haben Potenzial sofort gesehen. Gibt es heute auch noch solche Leuchttürme oder wie wird aktuell Nachwuchs generiert? 

Benedikt: Ich habe als Schüler unter den beiden damals selbst den Weg zur Leichtathletik gefunden, sehe aktuell aber keine Lehrkraft, die so hinter dem Sport steht, wie die beiden zu ihrer Zeit und der Abteilung Nachwuchs zukommen lassen. Heute läuft viel über Familie und Freunde, die bei uns schon aktiv sind oder aber auch über den Schüler-Lauf-Cup, wo wir interessierte Kinder gewinnen können. Generell und das ist vielleicht auch der Unterschied zum Mannschaftssport, ist unsere Philosophie dahingehend, dass wir die Entwicklung junger Talente nicht nur auf uns fokussieren. Früher war ich selbst beim LC-Paderborn, wo die Rahmenbedingungen einfach besser sind und wenn wir heutzutage größeres Potenzial bei einem Jugendlichen sehen, dann empfehlen wir ihn auch weiter, denn mit den wöchentlich zwei Trainingseinheiten bei uns wird der große Sprung nicht gelingen können. Wir sehen daher ein scheidendes Talent auch nicht als mögliche Konkurrenz, sondern freuen uns viel mehr, dass jemand den nächsten Schritt gehen kann. Neid hat bei uns nämlich keinen Platz und dass macht unsere Abteilung auch irgendwie sehr familiär. Das zur sportlichen Seite, aber lass mich noch die ganzen helfenden Hände drum herum erwähnen, denn auch hier haben wir ein bewährtes Konzept. Schon im Alter von 12-14 Jahren versuchen wir Jugendliche für Helfereinsätze zu begeistern und sie so, über kurz oder lang, zu Übungsleitern auszubilden. Du kannst also in unserer Abteilung wachsen und dich kontinuierlich weiterentwickeln – ein Weg, mit dem wir bisher ganz gut gefahren sind. Selbstverständlich gibt es hier und da auch mal Engpässe, wo wir irgendwie ein paar Monate überbrücken müssen, aber der Grundgedanke, alles über die eigenen Reihen abzuwickeln ist bis heute nicht verloren gegangen. 

Andreas: Seit 1975 gibt es den Gemeindesportverband: Wie wichtig siehst du diesen überörtlichen Verband, der unsere fünf Ortsteile sportlich miteinander verbinden soll?

Benedikt: Inwieweit der Gemeindesportverband die Borchener Ortsteile miteinander verbindet kann ich persönlich gar nicht sagen. Aus anderen Städten, wie Paderborn und Delbrück kenne ich es, dass der Oberverband ab und zu Veranstaltungen ausrichtet, die alle Vereine zusammenführen – das gibt es hier in Borchen aktuell nicht. Ansonsten besteht meines Wissens die Hauptaufgabe darin Gelder zu verwalten, zu verteilen und Förderungen zu generieren. Hiervon profitieren wir vor allem bei Ausbilderlehrgängen und Fortbildungen, aber auch die Zuteilung der Gelder für das abgelegte Sportabzeichen, werden über den Verband abgewickelt. Das klingt mit 3,00 € pro Abzeichen erstmal nicht viel, aber hier macht es letztendlich die Summe; also wer nicht nur sich selbst, sondern auch der Abteilung Gutes tun möchte, der sollte das Sportabzeichen in Angriff nehmen.

Andreas: Zum Abschluss: Was wünschst du dem SCB für die nächsten 100 Jahre?

Benedikt: Ich bin nun vierzehn Jahre im Vorstand der Abteilung, war sechs Jahre Sportwart und bin nun bereits acht Jahre Vorsitzender. Es gab Zeiten, wo um Hallenzeiten und finanzielle Mittel förmlich gerangelt wurde und man oftmals nur seine eigene Sparte im Blick hatte. Mit dem Generationenwechsel in den Abteilungen ist dieser Streitpunkt aber förmlich zum Erliegen gekommen. Von daher wünsche ich mir unter allen Abteilungen weiterhin eine so gute Zusammenarbeit, wie sie aktuell stattfindet, denn ein gutes Miteinander bringt uns letztendlich alle weiter!

Andreas: Danke Benedikt für das ausführliche Gespräch und die Einblicke in deine Abteilung. Ich wünsche dir und deinem Team weiterhin ein gutes Händchen, zum Wohle unseres SC Borchen.