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Interview mit Abteilungsleiter Jürgen Voß

Andreas: Tag Jürgen! Im Rahmen des 100-jährigen-Jubiläums in 2026 wollen wir einen Blick auf die aktuelle Lage des SC Borchen werfen und hinter die Kulissen schauen. Heute geht es dafür in die Abteilung der Tischtennisspieler. 

Tischtennis ist seit dem 01. November 1949 in Borchen heimisch, aber irgendwie immer eine „Randsportart“ geblieben, zumindest, wenn man sie mit den anderen Abteilungen vergleicht, was Zulauf etc. angeht. Wie kann man das erklären?

Jürgen: Als Randsportart würde ich unseren Sport jetzt nicht bezeichnen. Schau einmal zu unseren Nachbarn nach Alfen. Da ist Tischtennis das Zugpferd im Verein und der Fußball untergeordnet. Mit 60 Mitgliedern sind wir im SC Borchen aber vergleichsweise klein vertreten. Es gibt immer wieder Hochs und Tiefs, was den Mitgliederzuwachs angeht. Ein klassischer Aufschwung war immer dann zu spüren, wenn deutsche Nationalspieler erfolgreich waren, wie ein Jörg Roßkopf, ein Steffen Fetzner oder ein Timo Boll. Auf der anderen Seite ist Tischtennis, in erster Linie, ein klassischer Einzelsport und das ist nun mal nicht jedermanns Sache. Als Spieler bist Du selbst verantwortlich und kannst die Schuld nicht bei anderen suchen, wie im Mannschaftssport. Das ist schon eine Herausforderung, mit der man auch mental umgehen muss.

Andreas: Gute Spieler, ich gucke hier zum Beispiel auf unseren Abteilungsleiter des Jugend-Fußballs, René Hahn, sind abgewandert und spielen für andere Vereine. Kann man Talent in Borchen richtig fördern, oder ist der SCB nur eine Durchgangsstation?

Jürgen: Natürlich kann man Tischtennistalent auch in Borchen fördern, aber bei unserer aktuellen Altersstruktur und der Mitgliederzahl ist das eher schwierig. Trotz des Einzelsportcharakters bilden immer vier bis sechs Leute eine Mannschaft, die in den Ligaduellen um den Sieg kämpft. Bist du talentiert und gewinnst ist das zwar schön für dich, aber verlieren deine Mitspieler ihre Matches, hast du als Team verloren und bekommst keine Punkte. Folglich suchst du dir einen Verein, wo Mannschaftstriumphe wahrscheinlicher sind und du sportlich höher spielen kannst. Da fehlt es uns derzeit noch an der Konstanz. Des Weiteren ist man heutzutage durch eine größere Mobilität flexibler, was die Vereinsauswahl angeht; das hat es so früher nicht gegeben. Das Schöne ist aber, dass der Weg auch anders herum funktioniert. Im Alter verschlägt es dann doch ab und zu wieder den ein oder anderen an die heimischen Platten – man wird halt bequemer.

Andreas: Auf die Jahrzehnte geschaut – was waren die größten und was waren die bittersten Momente der Abteilung?

Jürgen: Sportlich eine der größten Errungenschaften war sicherlich der Aufstieg aus der Kreisliga in die Bezirksliga in 2015, leider nur für ein Jahr. Heutzutage spielen wir zwar mit unseren zwei Seniorenmannschaften auch in der 1. & 3. Bezirksklasse, was aber damit zusammenhängt, dass die Kreise vor ein paar Jahren aufgelöst wurden. Tiefpunkte war das Bangen um unsere Existenz 1976 und vor ein paar Jahren, in 2020, als die Abteilung kurz vor der Auflösung stand. Doch aus der Not haben wir es irgendwie immer geschafft, wieder eine Tugend zu machen, nämlich, wenn Altgediente Vereinskollegen in die Bresche gesprungen sind, um Vorstandsarbeit zu leisten. Zum Beispiel haben wir aktuell mit Bastian Genius einen Kassierer, der den Sport aber in Etteln ausübt. Nur durch solches Engagement können wir den Betrieb aufrechterhalten.

Andreas: Wie sieht die Zukunft beim Tischtennis aus, gibt es konkrete Ziele?

Jürgen: Wir denken derzeit eher kurzfristig und da sehe ich den nächsten zwei bis drei Jahren erstmal positiv entgegen. Wir haben Leute die sich kümmern und neben unseren zwei Senioren- auch zwei Schülermannschaften. Da gab es sicherlich Zeiten, wo wir, mit nur einer Mannschaft, deutlich schlechter dastanden und auch das Thema „Fusion“ im Raum kursierte. Unser Manko aktuell ist eine große Lücke zwischen 15 & 45 Jahren, also der Altersklasse, wo sich Leute in der Regel auch im Vorstand & als Trainer engagieren. Zudem stellt sich, wie in jedem anderen Verein auch, die Frage, ob die Jugendspieler uns im Seniorenbereich erhalten bleiben, aber das hängt auch immer mit dem persönlichen Werdegang nach der Schulzeit zusammen und den können wir nun mal nicht beeinflussen.

Andreas: Werbung in eigener Sache: Was ist aus Deiner Sicht das, was diesen Sport ausmacht und warum sollte der Nachwuchs zu Euch in die Abteilung kommen?

Jürgen: Als Allererstes ist es bestimmt ein Vorteil, dass wir einen Hallensport ausüben und wetterunabhängig sind, bei uns kann also ganzjährig, unter denselben Bedingungen, gespielt werden. Zudem ist Tischtennis kontaktlos und dadurch selbstbestimmender, denn Du entscheidest, wie weit Du gehen möchtest und nicht Dein Gegenspieler. Was auch noch positiv und erwähnenswert ist, ist die Dauer, über die man diesen Sport ausüben kann. Wir hatten tatsächlich mal ein Meisterschaftsspiel zwischen Georg Isermann, damals 81 Jahre und einem Konkurrenten aus Delbrück, der noch mal vier Jahre oben drauf packte. Wo gibt es so etwas schon? Kleiner Nachtrag: Georg hat dieses Spiel gegen den 85-jährigen Kontrahenten leider verloren und begründete die Niederlage mit weniger Erfahrung. 

Aber das Allerwichtigste, was diesen Sport ausmacht ist die Schärfung der Konzentration, gerade über einen längeren Zeitraum hinweg. Studien zufolge hilft Tischtennis auch bei der Verlangsamung von Krankheiten, wie Parkinson. 

Am Beispiel von Etteln gibt es auch bei uns inzwischen eine Gruppe „Ping-Pong-Parkinson“, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt und wo Leute mit der Krankheit eine sportliche Anlaufstelle finden. Man sieht, gerade auch an diesem Beispiel, dass Tischtennis für viele Menschen, unterschiedlicher Belange, ein wahrer Hort sein kann.

Andreas: Zum Abschluss: Was wünschst Du dem SCB für die nächsten 100 Jahre?

Jürgen: Vielleicht schauen wir hier erst noch einmal auf die bewegenden Jahrzehnte dieses Sports in Borchen zurück, um dann in einem Wunsch zu enden. Tischtennis war in Nordborchen, unter dem Mitbegründer und ersten Vorsitzenden Heinz Gerbeth, die erste Sportart, die nach dem Krieg, als Gegenpol zum Fußball, aktiv gespielt wurde. In einem Land des Wiederaufbaus, konnte der Sport, mit geringem Aufwand und auf engem Raum betrieben werden. So standen die ersten Tische zum Beispiel in der Kneipe Amedieck, an der Paderborner Straße und in der Mühle Baxpöhler, im Mühlenwinkel. Später wurde dann in der Gemeindehalle Nordborchen trainiert, ehe es 1972 in die heutige Sekundarschule ging. Seit 1978 sind wir aber wieder in Nordborchen und damit back to the roots, zurück. Soweit mir bekannt ist, sind wir kreisweit die einzige Tischtennisabteilung, die trotz mancher Widrigkeit, nie pausiert und unseren Sport immer irgendwie aufrecht gehalten hat. Dieses Durchhaltevermögen wünsche ich, in erster Linie, unserer Abteilung für die nächsten Jahre und dem SC Borchen im Ganzen natürlich auch. Oftmals reicht es schon kleine Brötchen zu backen, damit Nachwuchs gewonnen werden kann und sich Ehrenamtler engagieren. Das sollte auch für die Zukunft das Ziel des Gesamtvereins sein, weiterhin mit eigenen Kräften die Geschicke zu leiten.

Andreas: Danke Jürgen für das ausführliche Gespräch und die Einblicke in Deine Abteilung. Ich wünsche Dir und Deinem Team weiterhin ein gutes Händchen, zum Wohle unseres SC Borchen.