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Interview mit Abteilungsleiter Basti Trippe

Andreas: Moin Basti! Im Rahmen des 100-jährigen-Jubiläums in 2026 wollen wir einen Blick auf die aktuelle Lage des SC Borchen werfen und hinter die Kulissen schauen. Als Vorsitzender der Fußball-Senioren sprechen wir heute über eine Abteilung, die wohl am meisten im Mittelpunkt steht, wenn in Borchen über Sport geredet wird! 

Der Fußball ist nicht nur weltweit die Sportart mit dem größten Fokus, sondern auch hier in Borchen. Der SCB zählt zu den mitgliedsstärksten Vereinen im Kreis Paderborn. Was ist das Erfolgsrezept?

Basti: Im Großen und Ganzen zeichnet uns sicherlich aus, dass wir die meisten Themen unaufgeregt und ohne großen Lärm abwickeln. Es reicht, stetig eine Evolution voranzutreiben, um so die große Revolution zu vermeiden. Wir haben hier beim SCB eine großartige Basis, die wir versuchen ständig weiterzuentwickeln. Wenn ich nur für meinen Bereich spreche, dann ist meines Erachtens ein Erfolgsfaktor, dass wir versuchen alle an uns herangetragenen Anliegen ernst zu nehmen und sinnvoll zu lösen, sofern das eben möglich ist. Bei 416 Abteilungsmitgliedern zum Stichtag 31.12.20205 kann ich das natürlich nicht allein bewältigen. Wir haben ein starkes Vorstandsteam, welches sich aller Aufgaben annimmt. Bei uns kann man außerdem davon sprechen, dass wir eine große Kontinuität in der Abteilung haben. Viele Personen sind seit Kindheitstagen dem SCB-Fußball treu geblieben und so profitieren wir von einem großen Erfahrungsschatz und einem enormen Verantwortungsgefühl dem Sport-Club Borchen gegenüber. Aus anderen Vereinen hört man häufiger, dass das Ehrenamt nachlässt, das kann ich für unsere Abteilung nicht behaupten.

Andreas: Du hast nun zehn Jahre den Vorsitz der Senioren-Abteilung inne. Was waren und sind aktuell die größten Herausforderungen, denen Ihr Euch im Vorstand stellen müsst?

Die größte längerfristige Aufgabe war sicherlich der Übergang der Vorstandsgeneration, um Stefan Schreckenberg, auf die aktuelle. Dafür haben wir versucht alle anfallenden Aufgaben zu beschreiben und zu strukturieren. Also welcher Posten ist genau für was zuständig? Wer repariert zum Beispiel eine defekte Lampe, wer bestellt Getränke, wer kümmert sich…etc.? Das hat zwar immer irgendwer gemacht, aber oftmals derjenige, der auch noch zig andere Sachen erledigt hat und da wollten wir uns breiter aufstellen. Wir haben daher ein neues Organigramm geschaffen und die Verantwortlichkeiten am Hessenberg klar definiert. Durch die Wiedereinführung von Beisitzenden im Vorstand können zudem ambitionierte Ehrenamtler erste Eindrücke in der Vereinsarbeit gewinnen, ihre Stärken ausloten und langsam an größere Vorstandsposten herangeführt werden. Wir sind in diesem Punkt nachhaltiger geworden, gerade auch mit Blick darauf, dass auch meine Amtszeit einmal zu Ende geht und eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden werden muss. Wir sind aktuell ein richtig ambitioniertes Vorstandsteam und unser Ziel ist es natürlich dieses Niveau zu halten. Aufgrund dieser Leistungsbereitschaft sehe ich mich derzeit auch eher in einer Aufsichtsratsposition, anstatt eines Malochers am Platz. Während man den Blick aufs Ganze hat, versucht man einzelne Impulse zu setzen und die Aufgaben gleichmäßig zu verteilen. In dem Zug sind für die letzten zehn Jahre sicherlich noch die Einführung der Dorfmeisterschaft, für alle Vereine und unsere Außendarstellung, gerade in den sozialen Medien zu nennen. Hier gab es am Anfang auch Gegenwind, aber wir sind diesen Weg gegangen und belohnt worden. Als Abteilungsleitungsteam, versuchen wir immer nach Möglichkeiten zu streben und uns nicht durch die Herausforderungen entmutigen zu lassen. Eine Lösung zu finden, macht aber auch einfach mehr Spaß, als Dinge immer nur abzublocken. Speziell im Social Media Bereich muss ich da Peter Rüsing und René Hahn noch mal hervorheben, die in diesem Bereich alles auf die Beine gestellt haben.

Andreas: Die Nachfrage in Borchen ist enorm, gerade auch bei den Damen, wo es inzwischen sogar eine Dritt-Vertretung gibt. Ein Alleinstellungsmerkmal im Kreisgebiet. Aber eine größere Anzahl an Teams, fordert auch mehr Kapazitäten, mehr ehrenamtliche Helfer, etc. Ist das alles noch realisierbar, oder sind wir nun wirklich am Limit angekommen?

Basti: Du sagst es! Drei Herren- & drei Damenmannschaften im Ligabetrieb, dazu noch die Alt-Herren und der ganze Jugendbereich, mehr geht nicht und deshalb streben wir auch kein Wachstum an. Wenn wir diesen Status quo halten können, ist das sicherlich ein großer Erfolg. Platztechnisch sind wir eh schon über der Grenze angelangt und müssen Übungseinheiten und Spiele ziemlich eng takten, um allen gerecht zu werden. Zum Glück haben wir fürs Dienstagtraining noch den Platz in Alfen zur Verfügung. Was die helfenden Hände, oder auch Trainerposten angeht, da sehe ich uns, vielleicht auch im Gegensatz zu anderen Meinungen, auf einer Insel der Glückseligkeit. Auch wenn es manchmal schwierig ist, aber gefunden haben wir letztendlich immer noch jemanden, der Verantwortung übernommen hat. Zudem funktioniert in den Mannschaften auch einiges in Eigeninitiative, wo sich der Vorstand dann gar nicht gesondert kümmern muss. Ich verstehe an dieser Stelle Vereinsarbeit aber auch nicht als Zuarbeit vom Vorstand zu Spielern – wir sollten im besten Fall gemeinsam in eine sinnvolle Richtung „arbeiten“.

Andreas: Unsere Damen haben den Aufstieg in die Westfalenliga gewagt, bekommen den Gegenwind aber nun deutlich zu spüren. Sportlich keine Frage, will man immer den maximalen Erfolg, aber ist es aus Sicht des Vereins nicht besser, man verzichtet im Seniorenbereich bei den ersten Mannschaften auf Aufstiege und spielt in der Liga, wo es attraktiver ist und man noch den ein oder anderen Euro verdienen kann?

Basti: Vom Eintrittsgeld und dem Verkauf von Bratwurst und Bier kann sich ein Verein unserer Größe heutzutage nicht allein finanzieren! Das wäre also kein Grund mehr nicht aufzusteigen! Ich bin der Meinung, dass ein sportlicher Aufstieg generell angenommen werden sollte. Entscheidend ist, ob die Mannschaft den Weg gehen möchte, also genug Spielerinnen und auch genug Motivation für die höhere Liga hat. Den wirtschaftlichen Faktor sehe ich da eher hintenangestellt. Klar sind es weitere Fahrten und diese kosten mehr Zeit und Geld, aber dafür können unsere Damen z.B. auch mal gegen Schalke ein Pflichtspiel spielen und sammeln viel mehr Erfahrungen als in der Liga darunter. Auch für die Herren wäre ein Landesliga-Aufstieg, von den Spielen her, inzwischen wesentlich attraktiver, als Ende der 2000er, da es mit Lippspringe, Heide, Mastbruch oder Hövelhof einige Derbys zu bestreiten gäbe. Wir werden das Thema aber immer von Fall zu Fall betrachten und uns erstmal intern beraten. Zum Beispiel in der abgebrochenen Corona-Saison, als unsere Damen auch hätten aufsteigen können, wir aber bewusst verzichtet haben, weil für uns Quantität und Qualität zu dem Zeitpunkt nicht stimmten. Ein gesundes Abwägen der Möglichkeiten sollte also immer in die Betrachtung mit einfließen.

Andreas: In der öffentlichen Darstellung hat sich in den letzten Jahren einiges getan, auch dank der Sozialen Medien. Kann man heute sagen, dass die Mitglieder- und Sponsorengewinnung nur noch so funktioniert? 

Basti: Teils, teils, möchte ich das mal beschreiben. Natürlich möchte ein Sponsor möglichst viel Reichweite erzielen, was über Social Media bestimmt einfacher ist als mit der klassischen Bandenwerbung oder der Anzeige im Stadionheft; Generell habe ich aber den Eindruck, dass unsere Sponsoren uns unterstützen, weil ihnen primär etwas an der Förderung des regionalen Sports liegt. Bei der Spielergewinnung spielt Social Media schon eine Rolle. Früher sind Interessenten mal zum Training oder sonntags zum Hessenberg gekommen, um sich vor Ort ein Bild vom Verein zu machen und gegebenenfalls erste Kontakte zu knüpfen, heute läuft das alles übers Smartphone. Bei der Jugend empfinde ich das aber anders. Dort sind wir richtig stark aufgestellt, auch ohne Spielgemeinschaft, sodass einfach auch die Ergebnisse für uns sprechen und Kids für Borchen spielen wollen, selbst aus anderen Orten. Letztendlich ist dieser starke Unterbau die Zukunft, sowohl für die ersten Mannschaften, aber vor allem für die Zweit- und Drittvertretungen der Damen und Herren.

Andreas: Zum Abschluss: Was wünschst Du dem SCB für die nächsten 100 Jahre?

Basti: Ich hoffe, dass im SCB die Grundphilosophie erhalten bleibt. Dieser Verein lebt und funktioniert durch seine vielen Ehrenämtler, welche sich auf verschiedenste Arten und Weisen engagieren. Das ganze Konstrukt funktioniert aus meiner Sicht nur, wenn der Verein sich über die Gemeinschaft definiert. Im Zweifel darf das dann auch über dem sportlichen Erfolg stehen. Zusammengefasst würde ich mir wünschen, dass es eben genau so bleibt, wie es hier, seit ich mich erinnern kann, praktiziert wird.       

Andreas: Danke Basti für das ausführliche Gespräch und die Einblicke in den Fußball-Seniorenbereich. Ich wünsche Dir und Deinem Team weiterhin ein gutes Händchen, zum Wohle unseres SC Borchen.