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Zwischen Eigenständigkeit und Annäherung (1945–1969)

Als die Männer nach und nach aus dem Zweiten Weltkrieg und teils erst Jahre später aus der Gefangenschaft zurückkehrten, suchten viele von ihnen nach einem Stück Normalität. Was sie fanden, war das Fußballspiel. In beiden Ortsteilen begann der Wiederaufbau des Vereinslebens – zunächst getrennt, mit unterschiedlichen Voraussetzungen, aber mit derselben Leidenschaft.

1946 wurde mit der Sportvereinigung Borchen erstmals versucht, beide Orte organisatorisch zusammenzuführen. Die Idee war ihrer Zeit jedoch noch voraus. Bereits 1947 trennten sich die Wege wieder: In Nordborchen entstanden die Sportfreunde Schwarz-Weiß Nordborchen 1932, in Kirchborchen firmierte man ab 1948 als Fußballclub Blau-Weiß 1926 Kirchborchen, später wieder mit DJK-Zusatz.

Vor allem in Nordborchen entwickelte sich in den unmittelbaren Nachkriegsjahren eine besondere Dynamik. Aus improvisierten Treffen entstand eine Mannschaft, die bald im gesamten Kreis unter dem Namen „Klein Katernberg“ bekannt wurde. Der Begriff war eine Anlehnung an die Sportfreunde Katernberg aus Essen und stand für kampfstarken, ehrlichen und leidenschaftlichen Fußball. In Nordborchen wurde dieser Name zur Identität – zeitweise stand sogar „Sportfreunde Katernberg“ am Eingangstor des Hessenbergs, ein schwarzer Kater zierte die Trikots.

Der Wiederaufbau geschah mit einfachsten Mitteln. Heinrich Gockel, Schneidermeister und Vorsitzender der Sportfreunde Nordborchen zwischen 1948 und 1950, nähte aus amerikanischen Zuckersäcken Hosen für die Spieler. Trikots wurden aus Fallschirmseide gefertigt, der Nordborchener Schuster Bernhard Voß stellte Schuhe her und reparierte Bälle. Der Sportplatz am Hessenberg wurde 1947 in Eigenleistung errichtet – Landwirte brachten Füllmaterial, Kinder sammelten Steine. Trainiert wurde zunächst in einer Lagerhalle auf dem Buchenhof. Es waren Jahre der Improvisation, aber auch des außergewöhnlichen Zusammenhalts.

Sportlich zahlte sich dieser Einsatz aus. Den Sportfreunden Nordborchen gelang gleich zweimal der Durchmarsch bis in die Bezirksklasse – erstmals 1948/49 und erneut 1955/56. Der 5:1-Sieg gegen Stukenbrock am letzten Spieltag der Saison 1955/56 markierte einen der großen Momente dieser Ära. Bis 1963/64 hielt sich die Mannschaft in der Bezirksklasse. „Klein Katernberg“ wurde so zum Synonym für eine starke nordborchener Fußballgeneration.

In Kirchborchen verlief die Entwicklung weniger spektakulär, aber nicht weniger bedeutend. Dort kämpfte man in den 1950er- und 1960er-Jahren immer wieder mit personellen Engpässen. Sportliche Höhenflüge blieben aus, doch der Spielbetrieb wurde trotz schwieriger Phasen aufrechterhalten. Besonders bemerkenswert war, dass selbst in Zeiten, in denen Seniorenmannschaften kaum zu stellen waren, der Jugendfußball nie ganz verschwand. Die Rückbesinnung auf die DJK-Tradition 1952 zeigte zudem, wie stark Identität und Vereinsbewusstsein in Kirchborchen verankert waren.

In beiden Vereinen gab es Phasen, in denen kaum elf Spieler zusammenkamen. 1951/52 erreichte die Krise einen Tiefpunkt: Weder Nord- noch Kirchborchen konnten eine vollständige Seniorenmannschaft stellen. Ein Jahr später gelang es beiden jedoch, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Diese Erfahrung zeigte, wie verletzlich die Strukturen waren – aber auch, wie groß der Wille war, weiterzumachen.

Ende der 1950er- und in den 1960er-Jahren wurde deutlich, dass beide Ortsteile langfristig vor ähnlichen Herausforderungen standen. Der Aufwand für einen stabilen Spielbetrieb wuchs, die Konkurrenz in der Region nahm zu und sportliche Schwankungen machten sich bemerkbar. Während Nordborchen auf eine erfolgreiche „Klein-Katernberg“-Phase zurückblicken konnte und Kirchborchen seine DJK-Identität pflegte, reifte langsam die Erkenntnis, dass die Kräfte gebündelt werden mussten.

So entstand aus zwei eigenständigen, stolzen Vereinsgeschichten allmählich die Idee einer gemeinsamen Zukunft. Und genau diese Gemeinschaft sollte 1970 in einer neuen Form zusammenfinden.