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Interview mit Abteilungsleiter Mischka Kaiser

Andreas: Servus Mischka! Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums in 2026 wollen wir einen Blick auf die aktuelle Lage des SC Borchen werfen und hinter die Kulissen schauen. Als Abteilungsleiter der Basketballer sprechen wir heute über eine Abteilung, die in der Vergangenheit viele Hochs und Tiefs erlebt hat.

Mischka: Basketball in Borchen gibt es seit 1968 und da es weder in Nord-, noch in Kirchborchen zu Anfang eine geeignete Trainingsmöglichkeit gab, wurde in der Festhalle Hamborn gespielt. Du wohnst und arbeitest in Hamborn – irgendwie kurios, dass sich der Kreis zum 100-jährigen hier wieder schließt, oder?

Mischka: Das ist es in der Tat, aber Hamborn ist schon in häufiger Weise Schnittstelle gewesen. Der einstige Olympiasieger, Hubertus Schmidt, hat hier zum Beispiel seine ersten Reitstunden gehabt, aber darauf wolltest Du sicher nicht hinaus. Mein Plan war es eigentlich auch nicht Abteilungsleiter des Basketballs in Borchen zu werden, aber wie der Weg des Lebens dann manchmal so läuft. Meine Wurzeln liegen im Raum Frankfurt, wo ich beim SV Dreieichenhain, in einem sehr familiären Umfeld (ähnlich den Borchener Verhältnissen), gespielt habe, ehe ich über den CV JM Kassel dann nach Borchen gekommen bin. Hier stand aber erstmal mein Beruf im Vordergrund. Wenn man sich in der neuen Umgebung eingelebt hat, rücken Hobbies aber unweigerlich wieder in den Fokus und damals bin ich auf Plakate aufmerksam geworden, die für Borchens Spiele in der zweiten Regionalliga warben; damit war meine Leidenschaft für den Sport wieder wachgerüttelt. 2015 bin ich in den Verein eingetreten, habe ein Probetraining absolviert und weiß noch, dass ich bei meinem ersten Spiel in Delbrück Topscorer war. 

Keine drei Jahre später, zum 50. Geburtstag der Abteilung, wurde ich dann deren Vorsitzender und habe das Amt bis heute inne. Das aber ein Hamborner und nicht gebürtiger Borchener dieses „Heiligtum“ übernimmt, war schon außergewöhnlich. Damals haben mir zum Glück einige Borchener Basketball-Größen den Rücken gestärkt: Sei es ein Klaus Wilski, ein Thomas Winter oder ein Marcus Perria und nicht zu vergessen Hans-Dieter „Putty“ Nagel, der in gewisser Weise mein Mentor war. Gerade dieser Zuspruch hat dazu geführt, dass ich mich für den Basketball in Borchen einsetze und der Kreis sich zum Jubiläum wieder in Schloß Hamborn schließt. 

Andreas: Nach einiger Skepsis, gegenüber der neuen Sportart wurde der Basketball aber schnell zum festen Bestandteil in Borchen und feierte auch große Erfolge. Gerade beim Damenbasketball war der SCB eine bekannte Adresse. Hier gab es aber einen totalen Einbruch – wie beurteilst Du die Lage?

Mischka: Diese Lücke ist vor meinem Amtsantritt entstanden und wie es dazu kam, kann ich nicht wirklich wiedergeben – ich kenne bedauerlicherweise auch nur wenige Namen aus der damaligen Zeit. Aktuell, und das ist wirklich schade, hat die Abteilung keine Damenmannschaft und lediglich ein paar Mädels im Nachwuchsbereich. Das tut mir besonders leid für die Borchener Frauen, um Kerstin Heinz, Barbara Baumhögger, Birgitt Jagiella etc., die Damenbasketball einst in Borchen salonfähig gemacht haben, sowie diesem Sport und unserer Abteilung bis heute so tief verbunden sind. Fakt ist aber auch, dass ein solcher Einbruch stets mit dem Verlust von Führungspersönlichkeiten einhergeht. Ein Kapitän, der den Teamspirit fördert, kann, wie ein Kleister alles zusammenhalten und die Mannschaft pushen. Ein guter Leader ist, meiner Ansicht nach, wichtiger als ein Top-Scorer. Vielleicht ist dieses Kameradschaftliche einst im Bereich der Damen verloren gegangen, aus den unterschiedlichsten Gründen, wie Familie, Beruf etc. und daher sind wir hier seit Längerem nicht auf der Höhe. Persönlich würde es mich aber mehr als freuen, wenn in dem Bereich wieder etwas aufgebaut werden könnte.

Andreas: Auch bei den Herren ging es hin und her – die Zeiten in der Regionalliga sind unvergessen. Kann die Abteilung an diese Jahre nochmal anknüpfen, oder ist man mit dem zufrieden, was man aktuell hat?

Mischka: Wir sind trotz des bitteren Rückzugs aus der Oberliga guten Mutes, dass wir perspektivisch weiter sportlich erfolgreich sein können. Was, im Gegensatz zu früheren Zeiten, noch fehlt, als zum Beispiel die Fußballer & Basketballer sich gegenseitig bei ihren Spielen unterstützten, ist auf beiden Seiten die Vereinsidentifikation. In den ersten Mannschaften sind hüben, wie drüben, viele Auswärtige, die in Borchen erst einmal ankommen und die Strukturen kennenlernen müssen. Ich glaube aber, dass wir mit Events, wie der Dorfmeisterschaft oder dem Adventsmarkt auf einem sehr guten Weg sind, dass die Jungs sich stärker ins Dorfleben integrieren. Bei mir hat das schließlich auch ein Weilchen gedauert und heute, weiß ich es sehr zu schätzen mal zu einem Schützenfest oder Ähnlichem zu gehen. Das kannte ich aus meiner alten Heimat nicht und war für mich anfangs ein ziemlicher Kulturschock. 

Andreas: Mit dem Rückgang des Erfolgs sanken auch die Zuschauerzahlen. Siehst Du hier Möglichkeiten, wieder mehr Borchener für den roten Ball zu begeistern?

Mischka: Ich denke, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten vieles tun, um die Gallihöhe zu füllen. Sei es auf Social Media, oder in den diversen Whatsapp-Gruppen. Wir haben auch unser Cateringangebot erweitert, aber vieles muss erst wieder wachsen. Zum einen trägt die Erste ihre Heimspiele generell am Freitagabend aus, eigentlich eine gute Zeit, um ins Wochenende zu starten, aber vielleicht ist hier auch einfach das Parallelangebot zu groß. Zum anderen kommen die Zuschauer, wenn erfolgreich gespielt wird. Ich kann an die Borchener nur appellieren einmal vorbei zu kommen und sich selbst ein Bild zu machen.

Andreas: Du warst in diesem Jahr Talkgast bei „Borchen hautnah“ und hast dich den Fragen von Hochstiftreporter Holger Winkelmann gestellt. Dabei kam auch dein Job zur Sprache, wo du dich mit schwererziehbaren Kindern und Jugendlichen auseinandersetzt. Wie wichtig sind hier der Sport und speziell der Basketball, um diesen Kids eine Zukunftsperspektive zu geben?

Mischka: Das Interesse junger Menschen kann man sicherlich dadurch gewinnen, wenn man sie für eine Sache begeistert und ihnen eine positive Aussicht bietet. Dabei muss das nicht mal ein großer sportlicher Erfolg sein. Ich nehme zum Beispiel Kids mit zu den Spielen und lasse sie die Anzeigetafel bedienen oder Waffeln backen – kleine Aufgaben, an denen sie wachsen können und Verantwortung tragen. Durch meine inzwischen guten Connections, auch über die Abteilung hinaus, entstanden Synergien, von denen die Jugendlichen profitieren können. Zudem arbeite ich gerade selbst sehr viel an mir und sehe, wie wichtig der Sport für Körper und Geist ist – ich kann meine eigenen Erfahrungen also eins zu eins teilen, was sicherlich ein Vorteil ist. 

Zudem musst du wissen, dass ich Kontraste liebe und gerade viele Vorurteile gegenüber Schloß Hamborn sind einfach nur noch Klischees. Natürlich gibt es andere Ansichten, aber in vielen Dingen ist man sich näher als man denkt, wie eben im Sport und das versuche ich zu vermitteln. Es gibt seit Ende der Sommerferien zum Beispiel eine Basketball AG im Ort und ein Junge aus unserer Wohngruppe, darf, so wie er ist, in der U12 mitspielen. Er ist Teil des Teams, wird respektiert und freut sich wie Bolle. Durch diese Inklusion steigert er sein Selbstwertgefühl ungemein und genau das muss doch die Aufgabe des Sports sein – allen, die Interesse haben, eine Möglichkeit zu bieten sich einzubringen!

Andreas: Zum Abschluss: Was wünschst du dem SCB für die nächsten 100 Jahre?

Ich würde es vielleicht mit dem neuen Motto des SC Borchen formulieren. Aus „Zwei Orte, ein Verein“ ist nun „Gemeinsam vereint“ entstanden. Gemeinschaftsbildende Maßnahmen sollen die Sportarten untereinander noch besser vernetzen und das Sportangebot hochhalten. Wir sind zwar eigenständige Abteilungen, profitieren aber vom miteinander, indem wir uns austauschen und von den Erfahrungen aus den anderen Bereichen lernen. Es muss das Ziel sein junge Menschen aus ihren Komfortzonen zu locken und sie für die Arbeit im Ehrenamt zu begeistern. Dabei sollten wir nicht an Formalitäten zerbrechen, sondern Kreativität und Innovation in den Fokus nehmen und nach Möglichkeit frei gestalten können!

Andreas: Danke Mischka für das ausführliche Gespräch und die teils tiefen Einblicke in die Basketball-Abteilung und Deine Arbeit. Ich wünsche Dir und Deinem Team weiterhin ein gutes Händchen, zum Wohle unseres SC Borchen.