Andreas: René, auch Du bist vor ein paar Jahren in große Fußstapfen getreten, als du Vorsitzender der Fußball-Jugend wurdest und Hugo Kremer abgelöst hast. Zweiundzwanzig Jahre trennen Euch und wahrscheinlich auch die ein oder andere Ansicht. Gab es da noch Reibungspunkte oder lief der Übergang glatt?
René: Die Übergabe zwischen Hugo und mir hat sehr gut funktioniert, er hat mich damals schließlich in den Jugendvorstand geholt, wo ich dann zwei Jahre stellvertretender Geschäftsführer und vier Jahre stellvertretender Abteilungsleiter war – ich hatte also schon ein gutes Hintergrundwissen. Was allerdings eine wahre Bürde war, ist, dass mit Hugo fast das halbe Team des Abteilungsvorstands aufgehört hat und es am Anfang an Personal fehlte. So habe ich selbst, zum Beispiel, einige Zeit den Rasenplatz abstreuen müssen, was ja nicht gerade zum Aufgabenbereich des Mannes vorne vor gehört.
Was ich unseren Vorgängern aber hoch anrechne ist die Unterstützung beim 50-jährigen Jubiläum der Jugendabteilung im Jahr 2022. Die Feierlichkeiten mussten aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben werden und fielen damit genau ins neue Wahljahr. Der alte Vorstand hatte in seiner Amtszeit die Planungen natürlich schon übernommen und daher auch die Organisation weitestgehend durchgeführt. Das war uns im neuen Team eine große Hilfe und für mich auch ein passender Moment die Altgedienten offiziell und gebührend zu verabschieden.
Andreas: Du bist ja eigentlich Tischtennisspieler und auch hier werden immer fähige Leute für Vorstandsarbeit gesucht. Wieso also Jugendfußball?
René: Das war irgendwie ein Entwicklungsprozess. Bis zur C-Jugend habe ich noch Fußball gespielt, bekam dann aber Knieprobleme. Diese tauchten beim Tischtennis nicht mehr auf, weswegen ich sportlich in diesem Bereich geblieben bin. Der Kontakt zu meinen Kumpels, die ja alle weiter dem Fußball zugewandt waren, ist natürlich nicht abgerissen und der Gang zum Sportplatz gehörte als Zuschauer zum Wochenendprogramm dazu. Mit Christian Kroker hat mich dann vor sechzehn Jahren jemand zum FLVW gelotst, um die Öffentlichkeitsarbeit voranzutreiben und da hat dann Dietmar Schwarzenberg vom SC Borchen mein Potenzial gesehen und Hugo Kremer dazu bewegt mich für die Fußball-Jugend zu gewinnen. Das ging dann los mit der Homepage-Gestaltung, führte irgendwann zum Hessenberg-Manager und nun bin ich im vierten Jahr Abteilungsleiter. Der Draht zum Fußball ist also nie richtig abgerissen und dennoch bin ich leidenschaftlicher Tischtennisspieler.
Andreas: Die Fußballer sind als einzige Abteilung zweigeteilt. Erklär uns doch mal kurz wieso, weshalb, warum?
René: Oh, da erwischst Du mich auf dem falschen Fuß. Die Fußballjugend hat sich ja schon 1971, also ein Jahr der der Gründung des SC Borchen, auf eigene Füße gestellt. Die meisten, so wie ich, kennen also nur diese Zweigleisigkeit und deswegen habe ich das auch nie hinterfragt. Sinn macht es aber durchaus, allein aufgrund der Größen der einzelnen Abteilungen.
Außerdem sehe ich die Eigenständigkeit der Jugend als großen Vorteil. Im Gegensatz zu anderen Vereinen, wo das meiste Geld wahrscheinlich in den Seniorenbereich fließt, können wir unsere Einnahmen selbstständig verwalten. Was wir bei Turnieren, oder sonstigen Veranstaltungen einnehmen, bleibt bei uns und daher geht es unserer Abteilung auch gut.
Andreas: Im Senioren-Bereich hatte ich öfters mal den Eindruck, dass es schwerer ist helfende Hände für die unterschiedlichsten Dinge zu bekommen – wurde hier, beim Interview mit Sebastian Trippe aber schon eines Besseren belehrt. Aus meiner Sicht wirkte der Junioren-Bereich, nicht immer, aber häufiger als der Stärkere, wenn Hilfe benötigt wurde. Was ist denn nun die Wahrheit?
René: In dem Punkt hat Basti schon Recht. Die Senioren haben sechs Mannschaften, plus die Altherren; alles erwachsene Menschen und damit einen viel größeren Pool, als wir. Für unsere Turniere nehmen wir natürlich die Eltern in die Pflicht. Diese müssen den Verkauf übernehmen und für Kuchenspenden etc. sorgen. Um die ganze Organisation drum herum muss sich dann in weiten Teilen allerdings der Vorstand kümmern und die üblichen Verdächtigen, die uns generell immer Arbeit abnehmen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich kann natürlich auch viele Trainer verstehen, die nicht unbedingt an den Wochenenden noch beim Aufbau etc. unterstützen wollen, weil sie ja schon unter der Woche ihre eigentliche Aufgabe wahrnehmen, aber, wenn wir den Kids Bälle und Trainingsanzüge finanzieren möchten, dann muss bei einem Turnier auch angepackt werden, damit Geld generiert werden kann. Große Sprünge können mit unserem Jugendbeitrag von 66,00 € im Jahr nämlich nicht gemacht werden. Für 5,50 € im Monat begleiteten Sport zu machen geht sicherlich nicht viel günstiger, aber genau das ist auch ein Teil unserer Philosophie – der Sport muss für alle bezahlbar sein!
Andreas: Gerade interessierten Kindern sollte man ja immer eine Chance geben, selbst wenn sie nicht die talentiertesten sind. Wird denn auch schon mal die Handbremse gezogen, wenn es gar keinen Sinn macht, oder müssen die Eltern entscheiden, ob Ihr Kind weitermachen darf?
René: Vorab: Jedes Kind aus Borchen sollte die Chance haben Sport zu machen! Das ist unsere Einstellung, egal wie talentiert jemand ist. Wenn die Kinder Spaß haben, ist das doch erstmal die Hauptsache und im Gegensatz zum demografischen Wandel können wir hier in Borchen eine positive Entwicklung vermelden, mit derzeit 20 Mannschaften im Jugendbereich. Dieses Interesse spricht schon für die Arbeit, die hier geleistet wird und ist für mich ein Zeichen, dass sich die Jugend beim SC Borchen gut aufgehoben fühlt.
Sollten sich zu viele Kinder melden, versuchen wir eine weitere Mannschaft aufzumachen, denn jeder und jede im Nachwuchs soll Spielzeit bekommen. Es bringt im Jugendsektor nichts, wenn die Kids auf der Bank sitzen müssen und nur wenige Minuten aufs Feld dürfen – da verliert man die Lust und wir vielleicht den Nachwuchs, der schließlich die Basis der Senioren bildet. Da sind dann natürlich auch die Eltern gefragt, die als Trainer fungieren müssen, wenn unser Pensum ausgeschöpft ist. Wie das letztendlich umgesetzt wird kann ich allerdings nicht kontrollieren, da sind die Beteiligten schon in der Selbstverantwortung.
Andreas: Zum Abschluss: Was wünschst Du dem SCB für die nächsten 100 Jahre?
René: Dem SC Borchen wünsche ich viele Ehrenamtler, die es schaffen jede Menge Menschen abzuholen und für den Sport zu begeistern. Zudem hoffe ich auf weiteres Wachstum und auf Abbildung weiterer Sportarten, die unseren Verein noch attraktiver machen, als er eh schon ist.
Andreas: Danke René für das ausführliche Gespräch und die Einblicke in den Fußball-Jugendbereich. Ich wünsche Dir und Deinem Team weiterhin ein gutes Händchen, zum Wohle unseres SC Borchen.


