Andreas: Hallo Katja! Im Rahmen des 100-jährigen-Jubiläums in 2026 wollen wir einen Blick auf die aktuelle Lage des SC Borchen werfen und hinter die Kulissen schauen. Heute geht es dafür in die Abteilung des Damensports.
Starten wir gleich mit Eurem Leitsatz, den ich auf der Homepage gelesen habe: „Wenn es dir bessergehen soll und du fitter werden willst, musst du nur eine Sache aufgeben – deine Ausreden!“ Sind Ausflüchte, deiner Ansicht nach, immer noch das Hauptproblem, um sich vorm Sport zu drücken?
Katja: Das denke ich schon, denn viele Menschen haben ja häufig etwas Wichtigeres zu tun, was sie vorschieben können, wenn es um das Thema Sport geht. Was ich als Kursleitung aber auch immer wieder feststellen muss, ist, dass viele Kursteilnehmerinnen zuerst verhalten, ja teils schüchtern, zu den Übungseinheiten erscheinen, weil sie nicht wissen, was sie erwartet, dann aber von Mal zu Mal engagierter werden. Nach Beendigung des Kurses kommt dann oft die Nachfrage, wann eine neue Einheit beginnt, da der Ehrgeiz geweckt wurde. Es ist also ein kleines Wachstum, was einige Teilnehmerinnen durchleben, von anfänglicher Scheu, bis zur Motivation weiterzumachen.
Andreas: Ihr bietet eine Plattform für Mädchen und Frauen an fünf Tagen in der Woche, für ein Alter von 10-99+. Habt ihr denn ein Angebot, was sowohl die Jüngsten, als auch die Ältesten gemeinsam absolvieren könnte?
Katja: Der erste Satz ist schon nicht mehr ganz korrekt, denn seit inzwischen zwei Jahren bieten wir auch funktionelles Training für Männer an, also Körperübungen ohne Hilfsmittel. Das ist auch der Grund warum der doch etwas starr wirkende Begriff „Damensportabteilung“ in 2026 umbenannt wird in „Abteilung für Fitness und Gesundheit“. Aber zurück zur eigentlichen Frage: Ich leite die Abteilung seit 2021, wir bieten sieben Kurse verschiedenster Art an, von Rückenschule bis Rollatorsport, doch bisher gibt es da keine Durchmischung der Jüngsten und Ältesten. Aktuell haben wir auch keine Minderjährigen in unserer Abteilung, da diese eher den Zugang zum Sport über die Leichtathleten wählen. Auf der anderen Seite haben wir viele Frauen, die schon über Achtzig sind und auch noch aktiv mitmachen. Darüber hinaus ist es dann eher die passive Unterstützung. In diesem Jahr durfte ich zum Beispiel zwei Damen zum 90. Geburtstag gratulieren, die uns weiterhin die Treue halten.
Frauen und Männer halten wir auch getrennt, weil die Bedarfe hier Grund weg verschieden sind. Die meisten Männer wollen sich richtig auspowern und an ihr Limit gehen, bei den Frauen liegt der Fokus aber eher auf rhythmischen Übungen.
Andreas: Wie seid Ihr aktuell aufgestellt? Können alle Bereiche abgedeckt werden, wie Ihr euch das vorstellt oder gibt es noch Bedarf an Trainerinnen oder Kursteilnehmerinnen?
Katja: Wir würden uns gern verjüngen, gerade auch um den Step- und Zumba-Bereich abdecken zu können, aber den Großteil der 20- bis 40-jährigen findet man heutzutage eher im Fitnessstudio. Von 50 Jahren aufwärts bis zu den Rollator-Angeboten sind wir aber voll besetzt. Unser Raumangebot bezieht sich auf die Dreifachhalle und den Bohnenkamp, inklusive der Outdoor-Arena. Im Spiegelsaal auf Gallihöhe ist Platz für um die 12 Personen, in der Arena für rund 30 – größer darf es dann aber auch nicht werden, wenn man alle noch ein bisschen im Blick haben möchte.
Andreas: Bei anderen Sportarten benötige ich diverse Lizenzen, um als Trainer arbeiten zu können. Ist das in eurem Bereich genauso strukturiert? Welche Grundvoraussetzungen muss man hier mitbringen?
Katja: Die C-Lizenz und ein aktueller Erste-Hilfe-Kurs ist als Trainerin schon eine Grundvoraussetzung. In der Ausbildung lernt man die Anatomie, bzw. die Funktion des Körpers kennen und geht auf die diversen Elemente im Gruppensport ein; also mit welchen Geräten kann ich welche Übungen optimal durchführen etc. In diversen Workshops muss dann das Wissen alle zwei Jahre wieder aufgefrischt werden, um die Lizenz zu behalten. Natürlich kann man sich auch weiter qualifizieren für eine B- oder A-Lizenz, aber das ist dann in der Regel mit einem Studium oder längerfristigen Seminaren verbunden.
Andreas: Seht Ihr Yoga- oder ähnliche Kurse der Volkshochschule, wie sie in Borchen auch stattfinden, als Konkurrenz zu eurer Abteilung oder tauscht man sich untereinander auch schon mal aus?
Katja: Erstmal ist mir nicht bekannt, dass jemand aus dem Verein ausgetreten, bzw. nicht eingetreten ist, weil wir irgendeinen Bereich nicht abdecken können. Zum Beispiel ist Yoga derzeit keine Konkurrenz, weil wir gar keine ausgebildete Lehrerin haben und wir diese Philosophie somit nicht anbieten können. Sollte sich das einmal ändern könnte der SC Borchen als Verein aber sicherlich preiswertere Angebote liefern, weil das Ganze dann eben nicht hauptberuflich läuft. Aus dem Blickwinkel wäre man dann eher eine Konkurrenz für die jetzigen Anbieter, was wir aber auch nicht sein wollen, denn mit unserem derzeitigen Angebot sind wir schon ganz gut aufgestellt.
Andreas: Zum Abschluss: Was wünschst du dem SCB für die nächsten 100 Jahre?
Katja: Ich habe in den vergangenen vier Jahren, aufgrund meines Postens, erst den kompletten Einblick hinter die Kulissen des Vereins bekommen und muss sagen, dass die Menschen, die hier agieren und die Geschicke leiten einen unbezahlbaren Job verrichten. Gerade dieses ehrenamtliche Engagement macht den Verein aus und macht ihn ebenso attraktiv. Ich wünsche dem SC Borchen, dass er diese Attraktivität in Zukunft beibehält.


